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Kasperletheater (Cablegate)
[ 5. Dec 2010; Sonstiges]

Entgegen aller Behauptungen ist Cablegate wohl allenfalls politisch peinlich, keinesfalls aber wirklich bedrohlich.

Warum die Veröffentlichung keine echte Gefahr ist? Anglich hatten bis zur Veröffentlichung der geleakten Informationen 2,5 Mio. US-Militärs und Beamte Zugriff auf diese Daten. Dann ist es mehr als naiv zu glauben, dass nicht schon längst alle Geheimdienste eine Kopie der Depeschen besitzen.

Es geht also keineswegs darum, dass hier irgendwelche Dinge verraten werden, die ein anderes Land nicht weiß. Die einzige Änderung ist die, dass sich betroffene Staaten jetzt offiziell darauf berufen können - mit gespielter Entrüstung versteht sich.

Aber vielleicht ist sogar die Entrüstung der Amerikaner gespielt. Immerhin ist das Vertraulichkeitsproblem bei 2,5 Mio Nutzern recht offensichtlich. Warum sollten die Meldungen nicht ohnehin für andere bestimmt gewesen sein? Es gewinnt immer der, der einmal mehr blufft.

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Rekordvergesslichkeit (oder 1984 für Anfänger)
[ 9. Apr 2010; Sonstiges]

Der griechische Finanzminister schimpft über "barbarische Zinsen", die die Investoren verlangen würden. Anderswo ist die Rede von Rekordzinsen, die zu zahlen seien. Von bösen Spekulanten liest man natürlich auch. Solche ungewöhnlichen Situationen machen mich immer neugierig, deswegen habe ich mich ein wenig umgeschaut.

Da sich bei der OECD nur die Zinsniveaus der letzten drei Jahre finden, habe ich einen etwas mühsameren Weg eingeschlagen und versucht, die Zinsen über einen längeren Zeitraum zu rekonstruieren. Leider kamen auch dabei nur 12 Jahre zusammen, aber die sind sehenswert.

Die Grafik zeigt die Auswertung der noch an den Börsen zirkulierenden griechischen Staatsanleihen mit Mindestlaufzeiten von 10 Jahren. Wurden in einem Jahr mehrere Tranchen herausgegeben, habe ich die mit den niedrigsten Zinsen gewählt. Angegeben sind die Nominalzinsen in Prozent. Das sind die Zinsen, die bei der Herausgabe der Anleihe auf den Nennwert festgelegt wurden. Sie entsprechen also in etwa dem Zinsniveau zu dieser Zeit.

Sieht man diesen Ausschnitt, ergibt sich plötzlich ein ganz anderes Bild: In den letzten Jahren hat Griechenland ungewöhnlich niedrige Zinsen gezahlt. 2005-2006 bewegte es sich schon fast auf dem Niveau Deutschlands. Und das bei einem so wirtschaftlich schwachen Land mit dieser Korruption. Wodurch war das eigentlich gerechtfertigt?

Die 8 Mrd., die in 10 Tagen fällig werden, konnte ich auch an der Börse finden. Sie wurden 2005 mit dem aberwitzigen Zins von 3.1% herausgegeben. Da tun die 7% jetzt natürlich weh - wie zuvor dem amerikanischen Subprime-Häuslebauer, der mit billigem Geld über seine Verhältnisse gelebt hat.

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Martin Hedler (Mon, 12 Apr 2010):
Danke für die Arbeit, die Du Dir gemacht hast.
 


[19. Jul 2009; Sonstiges, Englisch]

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Wundersame Abwrackprämie
[12. Apr 2009; Sonstiges]

Man stelle sich eine Kleinstadt vor, mit einem Rathaus am Marktplatz. Da bald Wahlen sind, überlegt sich der Bürgermeister dieser Stadt, wie er seine Beliebtheit steigern könnte. Schließlich hat er eine Idee: Er will seine Bürgern Geld schenken, damit die einkaufen gehen können und so nebenbei noch die Wirtschaft ankurbeln. Er öffnet das Fenster zum Marktplatz und beginnt, Geldscheine aus der Stadtkasse hinauszuwerfen.

Es dauert nicht lang, da herrscht auf dem Platz hektisches Treiben. Von überall kommen die Einwohner herbeigelaufen, um auch ein paar von den Scheinen abzubekommen. Bald tummelt sich die ganze Stadt unter dem offenen Fenster. Der Bürgermeister ist begeistert vom Erfolg seines Vorhabens. Alle sind sie gekommen, um bei seiner Aktion mitzumachen. Damit auch wirklich jeder ein paar Scheine ergattern kann, holt er nochmal neues Geld und wirft auch dieses gönnerhaft aus dem Fenster. Ganz sicher würden sie ihren großzügigen und anpackenden Bürgermeister erneut wählen.

Ganz sicher? Nein, ganz sicher nicht. Der Bürgermeister hat nur das Getummel unter seinem Fenster nicht verstanden.

Natürlich wird jeder das Geld, das auf ihn herabregnet, gerne einstecken. Gleichzeitig wird aber auch jeder den Bürgermeister für untragbar halten, da er das Geld der Stadt aus dem Fenster wirft.

So ist die Stadtkasse ruiniert und Bürgermeister wird in Zukunft auch ein anderer sein.

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Tina (Wed, 24 Feb 2010):
Die Geschichte mit dem Bürgermeister ist genial. Leider lässt sie sich wieder und wieder anwenden. Es geht ja im Prinzip nicht nur um die Abwrackprämie, sondern um vieles mehr. Warum wirft man General Motors Geld in den Rachen um deutsche Arbeitsplätze zu retten, wo das ganze Unterfangen eh keine Aussicht auf Erfolg hat. Und der Themen sind da noch viele mehr. Diese Geschichte des Bürgermeisters sollte eigentlich einmal an die Regierung gehen, um auf die nächsten Wahlen einzustimmen.
 

Jedem das Seine
[11. Mar 2009; Sonstiges]

Einer der größten Irrtümer ist, dass die Nazis 1945 besiegt wurden. Geographisch mag das zwar stimmen, aber in unserer Sprache haben sie noch heute so manches Gebiet fest in ihrer Hand. So bricht jedes Mal, wenn jemand die Worte "Jedem das Seine" öffentlich äußert, ein Sturm der Entrüstung los, der platter nicht sein könnte. Eigentlich ist es eher eine Art Reflex, eine geistlose Handlung, die einfach so passiert, weil sie über viele Jahre antrainiert wurde.

Wäre es nicht eher an der Zeit, das letzte Opfer des dritten Reichs, unsere Sprache, zu befreien? Warum macht man heute, nach über 60 Jahren, 15jährigen einen Vorwurf, wenn sie diese Worte ihrer eigentlichen Bedeutung gemäß nutzen? Eigentlich ist es ein Grund zur Freude, dass eine junge Generation nicht mehr diese Last mit sich herumträgt.

Dem Argument, dass wir aufgrund unserer Geschichte eine besondere Verantwortung hätten, kann ich auch nicht folgen. Verantwortung vererbt sich nicht. Es ist ja nicht so, dass wir Deutschen einen Gendefekt haben, durch den wir besonderer Fürsorge bedürfen. Der nächste große Führer kann genausogut in Amerika oder Indien oder Brasilien heranwachsen.

Deswegen: Schüler vor, befreit unsere Sprache.

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Sebastian (Thu, 12 Mar 2009):
Die Sache mit der Verantwortung ist nicht einfach. Die Verantwortung richtet sich nicht an die Vergangenheit, sondern an die Zukunft. Meiner Ansicht nach haben wir keine Verantwortung für die Taten von damals, aber wir haben eine Verantwortung solche Taten in der Zukunft zu verhindern. Meiner Ansicht nach haben wir in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach versagt, dieser Verantwortung gerecht zu werden, denn wir haben z.B. nicht den Völkermord in Jugoslawien, Ruanda, Palästina, etc. verhindert.
Micha (Thu, 12 Mar 2009):
Da jetzt die harmlose Verwendung einer Formulierung und aktuelle Völkermorde direkt untereinander stehen, drängt sich mir förmlich der Verdacht auf, dass ein psychologisches Phänomen wirkt:
Kinder vor der ganzen Republik zurechtzuweisen ist eine prima Ersatzhandlung, wenn man die wirklichen Verbrechen nicht stoppen kann.
 


[26. Oct 2008; Sonstiges]

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Torsten (Sun, 26 Oct 2008):
Priceless :)
Vanessa (Fri, 21 Nov 2008):
Man beachte den zufriedenen Geschichtsausdruck des Pandas ;)
 


[24. Oct 2008; Sonstiges]

Ein 12jähriges, fahrkartenloses Mädchen wird nachts aus dem Zug geworfen - und das obwohl sie doch ein Instrument spielt. Empörend. Aber nicht für herzlose Menschen wie mich. Ich amüsiere mich lieber über die Wortwahl des Spiegels:

Ein vermeintlicher Zeuge des Skandals hat sich derweil als Trittbrettfahrer herausgestellt. Das Mädchen, deren Mutter sowie die Schaffnerin hatten erklärt, der Mann habe sich gar nicht im Zug befunden.

Da nur denkstarke Menschen mein Blog lesen, brauche ich hier nicht erklären, warum der komplette Absatz die Zweifel am Zeugen nicht begründet.

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Staat rettet Staat
[19. Oct 2008; Sonstiges]

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Martin Hedler (Mon, 20 Oct 2008):
Tscha, Fannie Mae und Freddie Mac waren ja auch halbstaatliche Organisationen. (Siehe z.B. hier: http://sohalt.wordpress.com/2008/09/22/die-ursachen-der-kreditkrise/).
 


[16. Oct 2008; Sonstiges]

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Sebastian (Sat, 18 Oct 2008):
Die Frage ist natürlich immer, wann ist der Tiefpunkt erreicht und ab wann kann man wieder investieren? Kann man jetzt wieder Aktien kaufen oder wird es nochmal deutlich nach unten gehen?
Micha (Sat, 18 Oct 2008):
So genau kommt es garnicht darauf an, den Tiefpunkt exakt zu treffen. Solange man dann kauft, wenn alle panisch weglaufen, ist das ausreichend. Da ich mich erinnere, bei dir einen Kostolany gesehen zu haben: Hat der nicht erklärt, man müsse der Börse einfach immer nur das bringen, was sie haben will? Und zur Zeit scheint das ganz klar Geld zu sein. :)

Zufällig habe ich aber gerade bei Spiegel gelesen, dass Warren Buffett der Meinung sei, dass der Zeitpunkt jetzt ist. Wenn jemand von seinem Kaliber so etwas verkündet, wirds aber schon wieder psychologisch.
 

In Ruhe kreischen
[ 7. Sep 2008; Sonstiges]

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Wenn er mit der Bahn reist, dann meist Horrorgeschichten.

Seit einiger Zeit gibt es in ICEs Ruhewagen, für die man auch gezielt Platzkarten buchen kann. Zu erkennen sind diese Wagen an den Logos auf denen ein Finger vor einen Mund gehalten wird: Psst. Da ich während der Fahrt gern lese, buche ich immer Ruhewagen. Ruhig war es da bisher allerdings noch nie. So auch dieses Wochenende, an dem ich mir den Ruhewagen mit einer Schulklasse teilen sollte.

Der herbeizitierte Zugbegleiter erklärte meine schlechten Erfahrungen: Die Ruhezone ist in dem gleichen Wagen, der traditionell bevorzugt an Reisegruppen vergeben wird. D.h. jeder lärmende Kindergarten wird genau zwischen die ruhebedürftige Kundschaft gesetzt. Wie man diesen Konflikt bei der Einführung der Ruhezonen übersehen konnte, wusste er auch nicht.

Sicher einer der Gründe, warum Mehdorn lieber den Flieger nimmt.

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Sebastian (Mon, 8 Sep 2008):
Ich denke, das Problem wird sich bald erledigt haben, wenn die Preise zwecks Börsengang weiter erhöht werden. Dann können sich Schulklassen die Fahrt mit der Bahn nicht mehr leisten und es herrscht endlich wieder Ruhe.
Jens (Wed, 10 Sep 2008):
Aus genau diesem Grund möchte die Bahn die Schalterpreise um 2,50¤ erhöhen. Dort wäre Michael bestimmt über den Umstand in Ruhenwagons aufgeklärt worden :)
 

Die Zukunft gehört Europa
[16. Jun 2008; Sonstiges]

Europa. Früher war das einfach nur der Name unseres Kontinents. Inzwischen ist damit aber immer öfter ein ferner Ort gemeint, der fortlaufend Richtlinien produziert, von denen deutsche Politiker gern behaupten, sie wären dafür nicht verantwortlich, müssten sie aber trotzdem umsetzen. Ja, man könnte sogar unterstellen, Europa ist eine Erfindung der Politik, um die Verantwortung für unpopuläre Gesetze abschieben und demokratische Abstimmungsprozesse aushebeln zu können.

Da verwundern auch die Entsetzenschreie nicht, nachdem es ein kleines Land gewagt hat, die Bevölkerung über die umbenannte europäische Verfassung abstimmen zu lassen. Dabei musste man doch aus der ersten Runde der Verfassungsabstimmung wissen, dass den Bürgern solch wichtige Entscheidungen nicht zuzutrauen sind - besonders dann nicht, wenn sowieso nur ein Ergebnis erlaubt ist. Europa und Basisdemokratie, das verträgt sich eben nicht.

Aber es gab nicht nur Entsetzen: Der ein oder andere Funktionär äußerte sich in der Presse durchaus zuversichtlich, die irischen Gesetze, die die Volksabstimmung notwendig machten, beim nächsten Anlauf irgendwie umgehen zu können.

Demokratie war gestern. Die Zukunft gehört Europa.

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Martin Hedler (Tue, 17 Jun 2008):
Die Lösung

Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

(Bertolt Brecht, 1951)
Quelle: http://sven-jordan.de/shosta-kap1a.html
 

Armut nicht mit Armut verwechseln
[18. May 2008; Sonstiges]

Ein Lottogewinn von 5 Millionen Euro lässt 2 Haushalte in Deutschland verarmen.

Wie geht das? Eigentlich ganz einfach: Alles was man dazu braucht, ist eine schlechte Armutsdefinition, wie sie auch im Armutsbericht der Bundesregierung verwendet wird. Nach dieser Definition ist jeder arm, der weniger als 60% des Durchschnittseinkommens erhält. Steigt das Durchschnittseinkommen, werden plötzlich Menschen als "arm" eingestuft, deren reale Lebenssituation sich überhaupt nicht verschlechtert hat.

Die folgende Überlegung ist stark vereinfacht, der Effekt tritt aber auch bei genauer Rechnung auf: Die Armutsgrenze liegt zur Zeit bei 781 Euro im Monat. Es gibt in Deutschland 4,5 Millionen Haushalte mit einem Durchschnittseinkommen zwischen 500 und 900 Euro. Verschiebt sich die Armutsgrenze um einen Euro, verarmen in diesem Einkommensbereich im Schnitt 12000 Haushalte - zumindest auf dem Papier.

Ein Lottogewinn von 5 Millionen Euro bringt bei 5% Zinsen und 50% Besteuerung derselben immerhin ein Zusatzeinkommen von 10000 Euro monatlich. Dadurch steigt das Durchschnittseinkommen aller deutschen Haushalte zwar nur um 0,03ct (und die Armutsgrenze um 0,02ct), aber das genügt bereits, um im Mittel 2 Haushalte unter die Armutsgrenze zu drücken. (Oder genau genommen die Armutsgrenze über 2 Haushalte zu heben.)

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Laufband
[ 4. May 2008; Sonstiges]

Nach einer längeren Laufpause und ein paar Wochen im Studio, um mich wieder einzugewöhnen, ging es dieses Wochenende bei perfektem Wetter vor die Tür. Die Freiheit und Ruhe genießend, dachte ich noch etwas über die Banderfahrungen nach. Neben den ganzen "normalen" Läufern, die man gleich wieder vergisst, gab es auch ein paar auffällige Typen:

Der Hamsterrad-Champion
Läßt die Motoren auf höchster Stufe fauchen, damit jeder merkt: hier ist ein Spitzensportler am Gerät. Davon, mal 1-2 Grad Steigung einzustellen, um wenigstens den fehlenden Luftwiderstand auszugleichen, hält der Champion nichts. Schließlich geht es nicht um Fitness, sondern um Höchstgeschwindigkeit. Keiner kann so schnell auf der Stelle treten wie er.
Insgeheim hofft er darauf, dass man bei der nächsten Laufbandgeneration ein Gefälle einstellen kann, denn nur so wird er sein sportliches Potential voll entfalten können.

Der Mehlsack
Läuft nicht, sondern fällt vornüber, weil sich das Band unter ihm wegbewegt. Glücklicherweise schafft er es immer im letzten Moment, den Fall durch beherztes, alles erschütterndes Aufstampfen abzubremsen. Da unerbittlich ein Fall auf den anderen folgt, steht ihm während des ganzen Trainings Leiden und Panik ins Gesicht geschrieben.

Der Skifahrer
Verwechselt das Laufband mit einem Schlepplift und läßt sich mit eisernem Griff am Gerät übers Band ziehen. Weil auf dem Band noch nicht mal Kunstschnee liegt, bleibt ihm nichts weiter übrig, als Schritte zu machen, um nicht der Länge nach am Griff hängend zu enden.
Hätte er Rollschuhe an, sähe es sicher nur halb so albern aus.

Der Ängstliche
Sicherheit geht vor, und so hält er alle 5 Minuten das Band an, um abwechselnd seinen Puls zu kontrollieren oder die hochdelikate Balance seines Flüssigkeitshaushaltes durch geeignete Getränke zu korrigieren.
Dergleichen im Lauf zu erledigen ist für ihn so tabu wie Handynutzung auf der Autobahn. Laufen ist kein Spaß, sondern gefährliches Unterfangen. Überhaupt läuft er nur deshalb, weil es gesund sein soll - wenn man vorsichtig ist.

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Sebastian (Tue, 6 May 2008):
Wunderbar! Und welcher Typ bist du?
Thomas (Wed, 14 May 2008):
hehe, der skifahrer is mein favorit und die idee mit den rollschuhen test-würdig ;)
viele grüße ins saarland!
Doro (Mon, 1 Sep 2008):
Das würde mich allerdings auch mal interessieren: welcher Typ bist Du denn :-)
 

Stellvertreterwahlrecht
[12. Apr 2008; Sonstiges]

Nachdem Herzog richtig bemerkt hat, dass die Politik Gefahr läuft, die Rentner auf Kosten der Jungen mit Wahlgeschenken zu überhäufen, liest man plötzlich überall vom Stellvertreterwahlrecht. Kinder sollen Wahlstimmen bekommen, um den steigenden Einfluss der Rentner im Wahlsystem zu bremsen. Damit die kleinen Racker aber nicht für einen Lolli das Kreuz bei der NPD machen, werden die Stimmen fürsorglichen Eltern übertragen.

Gute Idee? Nein, weil Herzogs Bemerkung - und damit auch alle daraus gezogenen Schlüsse - viel zu kurz greift.

Der Konflikt ist nicht zwischen jung und alt, sondern zwischen Steuerzahler und Transferleistungsempfänger. Zu letzteren gehören eben nicht nur Rentner, sondern auch die berühmten bildungsfernen Schichten. Und was machen die anstatt sich zu bilden oder zu arbeiten? Richtig: Kinder.

Käme es also zum Stellvertreterwahlrecht, dann würden Menschen, die kaum ihr eigenes Leben regeln können, plötzlich mit Wahlstimmen überhäuft.

Da trifft es sich auch gut, dass die Hartz-IV-Sätze an die Rente gekoppelt sind.

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Gedudel 2.0
[29. Jan 2008; Sonstiges]

Seit meinem Umzug nach Saarbrücken habe ich keinen PC im Wohnzimmer stehen. Das ist an sich ganz hübsch, nur auf Dauer durch die fehlende Musik ein wenig still. Also nichts wie los, einkaufen. Es sollte irgendwas werden, das über WLAN entweder vom PC aus als Soundkarte ansteuerbar ist, oder aber auf die Musik auf dem Rechner zugreifen kann.

Ich weiss gar nicht, wie ich den Eindruck beschreiben soll, als ich mich in den "Unterhaltungselektronik"-Läden umsah. Am ehesten entsprach er einem Besuch im Dampfmaschinenmuseum. Riesige Kästen mit ganz wenig Funktion. Seit den 80er Jahren hat sich da nicht viel getan. Nur die Gehäusefarbe scheint im Wechsel der Mode immer mal von Schwarz auf Silber und wieder zurück zu wechseln. Computer- und Internetrevolution sind an diesen Relikten aber spurlos vorbei gegangen. Von Integration ins Heimnetz, Steuerung über PC oder gar Anbindung an Internetdienste ist nichts zu sehen. Und das obwohl inzwischen die Mehrheit der Bevölkerung Internetzugang hat.

Im Netz gibt es aber zum Glück Anbieter, die zeigen, wie es gehen kann: Meine Wahl fiel auf die Roku SoundBridge M1001. (Nicht verwechseln mit der Home Edition von Pinnacle.) Einen kleinen Zylinder mit großem Display, der fast überall Platz findet, Musik vom Rechner und aus dem Internet über WLAN (auch WPA) abspielen kann und auch vom Browser aus fernsteuerbar ist. Dazu noch ein paar aktive Lautsprecher. Fertig.

Als gutes Internetradio kann ich an dieser Stelle Iceberg Radio empfehlen. Das ist ein kanadischer Sender mit über 100 Kanälen mit verschiedensten Musikrichtungen. Komplett werbefrei und ohne dummquatschende Radiofritzen. Bequemer geht es nicht mehr: Einfach den Stil auswählen und schon spielt den ganzen Tag gute Musik.

Roku Labs - Details zur Soundbridge
Radio Roku - Community mit Anbindung an die SoundBridge
Teufel - Viel Bang für den Buck, wenns um Lautsprecher geht

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[18. Nov 2007; Sonstiges, Englisch]

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Feuerfest und 2000 Tonnen schwer
[16. Sep 2007; Sonstiges]

Das Bild rechts zeigt ein Exemplar der Gattung der größten Lebewesen des Planeten - der Mammutbäume. Sie werden bis 100m hoch, 10m dick und 2000t schwer. Dagegen ist ein Blauwal lächerlich klein.

Feuer kann den Bäumen durch ihre extrem dicke, unbrennbare Borke nichts anhaben. Die Bäume können sich in freier Natur überhaupt nur durch Waldbrände verbreiten. Die lichtkeimenden Samen benötigen kahlen Boden, um aufgehen zu können. Deswegen geben die Zapfen die Samen erst nach dem Auftreten großer Hitze frei.

Eintrag bei Wikipedia

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BKA kills BND
[ 9. Sep 2007; Sonstiges]

Nach dem Medienfeldzug pro Online-Durchsuchung, der der Verhaftung dreier Bombenbastler folgte, ist - wenn man den Umfragen glaubt - die Unterstützung für diese Maßnahme in der Bevölkerung weiter gestiegen. Das ist aber nur durch Unwissen oder Irrationalität, also schlichte Angst, zu erklären. Denn nun weiß jeder explosionswillige Idiot, dass er in Zukunft besser Acht geben muss.

Das Problem, Zugriff auf den Rechner eines Verdächtigen zu bekommen, ist nämlich nur für stationäre PCs durch heimliche Besuche (siehe meinen letzten Eintrag zum Thema) zufriedenstellend zu lösen. Die Datenmenge, die zur Planung einer Tat gebraucht wird, passt jedoch bequem auf einen PDA. Einen PDA kann man immer am Körper tragen, sogar unter der Kleidung. Passende Befestigungsmöglichkeiten bieten Reiseausstatter für Länder mit hoher Kriminalität an. Nutzt man nun noch Verschlüsselung und transportiert Mails nur via Speicherkarte zwischen PDA und PC, hat man den Staat erfolgreich ausgesperrt. Ob der PC den Trojaner installiert hat oder der PDA beschlagnahmt wird, spielt bei richtiger Verwendung der Verschlüsselungstechnologie keine Rolle. Nur die heimliche Entwendung und Modifikation des PDA ohne Wissen des Verdächtigen sollte derselbe vermeiden.

Zummengefasst: Das BKA hat alle alarmiert, sich zu schützen und Schutz ist problemlos möglich. Die Online-Durchsuchung taugt seit letzter Woche nur noch für ahnungslose Kleinkriminelle und unbescholtene Bürger. Da man beide Gruppen aber ausdrücklich nicht damit überwachen will, kann man das Programm gleich ganz stoppen.

Aber es könnte noch einen Leidtragenden geben: Den BND. Das Computerzeitalter war sicher bisher eher frustrierend für die Schlapphüte. Denn während man vor ein paar Jahrzehnten technologisch weit über dem Normalbürger stand, hat heute jeder einen PC daheim, dessen akkumulierte Entwicklungskosten den BND-Etat deutlich übersteigen. Oder anders gesagt: Der Geheimdienst kocht auch nur noch mit Wasser und muss die selben Mittel nutzen wie jeder andere. Man kann davon ausgehen, dass in Pullach nur mit den Schultern gezuckt wird, wenn eine verschlüsselte Nachricht über den Bildschirm huscht.

Da den Spionen die digitale Brechstange fehlt, muss Cleverness her. Und dazu gehört traditionell, sich in Schweigen zu hüllen, wie genau man bestimmte Informationen beschafft hat oder gar nicht erst zu erwähnen, dass man sie überhaupt besitzt. So kann man einmal entdeckte Spionagemöglichkeiten lange nutzen und die andere Seite zur Fahrlässigkeit reizen.

Das BKA hat dieses subtile Prinzip seiner Politik geopfert. Für den BND dürfte es in Zukunft sehr viel schwerer werden, Daten Verdächtiger auszuspionieren. Deswegen könnte die eine odere andere geballte Faust zur Zeit drohend Richtung BKA und Politik erhoben werden. Natürlich im Geheimen.

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Offline Durchsuchungen
[ 4. Aug 2007; Sonstiges]

Nachdem Hollywood-Action-Filme lange Referenz waren, wenn es in Deutschland um Online-Durchsuchungen ging, scheint die Polizei nun auf dem Boden der Tatsachen angekommen zu sein: Sie hat es noch schwerer als Spammer, Virenzüchter und Script-Kiddies. Während diese Gruppen sich schon damit zufrieden geben, überhaupt Rechner zu finden, in die sie eindringen können, müssten die Ordnungshüter in der Lage sein, jeden Rechner zu öffnen.
Aber die Wild-West-Zeiten sind längst vorbei. Heute kann jeder billige DSL-NAT-Router aus dem Supermarkt eine unüberwindbare Barriere sein. Dank viel Überzeugungsarbeit diverser Gruppierungen wissen die Herren in Grün nun: So wird das nichts.

Aber Aufgeben gilt nicht. Jetzt sollen erprobte handwerkliche Fertigkeiten die Lücke schließen: Ein Mann, eine Tür, ein Dietrich. Polizeiromantik pur.

In zwei heimlichen Besuchen wird erst der Inhalt der Festplatte kopiert und dann das passende Tool installiert, das die gewünschten Informationen ins Netz hinausfunkt. Das ist garnicht so dumm, da der physische Zugriff immer noch die größte Schwachstelle handelsüblicher PCs ist. Selbst bei Festplattenverschlüsselung, wie sie von modernen OS angeboten wird, muss es mindestens noch eine Laderoutine geben, die unverschlüsselt und damit manipulierbar ist. Und mehr als einen einfachen Keylogger muss man auch garnicht unterbringen, damit das ganze Sicherheitskonzept beim nächsten Rechnerstart in sich zusammenfällt. Das eingetippte Passwort ist alles, was die Ordnungsmacht braucht, um die 50GB Datenmüll vom Erstbesuch in persönliche Daten zu verwandeln.

Dieser neue Ansatz ist sehr beunruhigend, aber zum Glück auch sehr viel aufwendiger. So kann man wenigstens davon ausgehen, dass sich gelangweilte Beamte nicht die Zeit damit vertreiben, - entgegen den Vorschriften - mal zu schauen, was der Nachbar so auf seinem Computer hat.

"Bundestrojaner" heißt jetzt angeblich "Remote Forensic Software" (heise.de)

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Fatales Baden
[23. Jun 2007; Sonstiges]

Überall hört man von übel gelaunten Terroristen, vor denen es sich zu schützen gilt. Worüber keiner redet, ist die wirkliche Gefahr: Der Tod in der Nasszelle.

Durch Anschläge ist bei uns - außer Schäuble - schon lange keiner mehr zu Schaden gekommen. Aber jedes Jahr finden über 100 Menschen einen grausamen Tod in ihrer Badewanne. Deshalb sollte der Innenminister seine Arbeitskraft lieber darauf verwenden, unsere Badewannen sicher zu machen, als seinen persönlichen Psychosen nachzugehen.

Zugegeben: Mautbrücken und Online-Durchsuchungen helfen nicht gegen Ertrinken im Sanitärbereich. Aber das haben echte Probleme so an sich: Sie sind unbequem und schwer zu lösen.

Schäubles Symptome (Telepolis)

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