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Letzte Nacht in Twisted River (John Irving)
[21. Aug 2010; Buch]
Die Geschichte ist ein klassischer Irving, aber irgendwie zündet sie nicht richtig.
Ob es an den vielen Zeitsprüngen oder Nebencharakteren (oder etwas ganz anderem) liegt, kann ich nicht sagen.
Verglichen mit Owen Meany oder Hotel New Hampshire fehlt einfach die Lebendigkeit.
Das periodische System (Primo Levi)
[ 7. Jul 2010; Buch]
Liebevolle Zusammenstellung von Episoden aus dem Leben eines Chemikers.
Für naturwissenschaftlich interessierte Menschen doppelt lesenswert.
Ungeduldige sollten vielleicht das wenig gelungene erste Kapitel überspringen.
Ein Leckerbissen für das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht-Hasser ist die Episode "Chrom".
Bonbon aus Wurst (Helge Schneider)
[10. Jan 2010; Buch]
Autobiografisches vom Meister:
Nachdem er aber merkte, dass ich es draufhatte, fasste er Vertrauen zu mir und flog seitdem mit mir noch zig Mal,
einmal unter anderem mit Reservekanistern nach Libyen. Eigentlich verboten, doch wir hatten meinen Sikorsky mit
Tonerde bestrichen und damit für Radar sauber gemacht. Die Libyer konnten uns nicht sehen, obwohl wir uns
einen Spaß daraus machten, über dem Vorgarten des Königspalastes zu kreuzen, wo Gaddafi sein Beduinenzelt
aufgeschlagen hatte. [...] Ich schmiss beim dritten Überflug einen faulen Apfel auf sein Zelt.
Bronsteins Kinder (Jurek Becker)
[13. Dec 2009; Buch]
Vom Umgang mit Juden und Nazis in der DDR, eingebettet in eine romantische Familien- und Liebesgeschichte.
Das Treibhaus (Wolfgang Koeppen)
[27. Nov 2009; Buch]
Nach kurzer Gewöhnung an die häufigen, übergangslos eingearbeiteten Schlagzeilen ein durchaus gut zu lesendes Buch. Neben der Kritik am politischen System im Nachkriegsdeutschland arbeitet sich der Autor an den vielen ehemaligen Nazis ab, die wieder - natürlich bekehrt und gebessert - ihre Pöstchen einnehmen.
Dieser Aspekt ist durchaus aktuell, da sich das gleiche Spiel mit den alten SED und Stasi-Kadern wiederholt. Gute Mitläufer sind eben immer gefragt.
Ein Buch namens Zimbo (Max Goldt)
[15. Nov 2009; Buch]
Liebevoll wie immer und mit aktuellem Zeitgeist - also nicht lange zögern.
Die Musik der Primzahlen (Marcus du Sautoy)
[11. Apr 2009; Buch]
Hirnschonend und spannend, mit lustigen Anekdoten über schrullige Mathematiker.
Panter, Tiger & Co. (Kurt Tucholsky)
[ 4. Apr 2009; Buch]
Allen Hoffnungen und allen Befürchtungen zum Trotz treten wir gesellschaftlich und moralisch auf der Stelle.
Wäre nicht der technologische Fortschritt, würde garnicht auffallen, dass die Texte 80 Jahre alt sind.
Der Affe in uns (Frans de Waal)
[12. Feb 2009; Buch]
Vielleicht ist die Welt ohne Menschen ja doch kein Paradies:
Zweifellos sind Schimpansen fremdenfeindlich.
[...]
Die Schimpansen [...] behandelten ihre Feinde, als gehörten sie einer anderen
Spezies an. Ein Angreifer hielt beispielsweise das Opfer am Boden [...],
während die anderen es bissen, schlugen und traten. Einmal rissen sie eine
Gliedmaße ab, dann eine Kehle heraus oder die Fingernägel ab [...];
im allgemeinen ließen sie nicht nach, bis ihr Opfer sich nicht mehr bewegte.
Es ist nicht ungewöhnlich, daß männliche Schimpansen weibliche angreifen und
sie nötigen, in ihrer Nähe zu bleiben. [...]
Im Kibale-Wald in Uganda sind einige Schimpansenmänner dazu übergegangen,
Schimpansinnen mit großen Holzstöcken zu prügeln.
Innerhalb einer Gruppe haben Schimpansen aber durchaus einen Sinn für
Nächstenliebe und helfen den Schwachen. Also halten sich umgekehrt auch
die moralischen Errungenschaften der Menschen in Grenzen.
Kurzum: Freunde entzaubernder Bücher sollten hier zuschlagen.
The God Delusion (Richard Dawkins)
[25. Dec 2008; Buch, Englisch]
I walked by this book a couple of times because - being an atheist - I wasn't really expecting any news.
But finally I gave in to the hype, got a copy and did not regret it.
Dawkins put together a really well structured and by all means complete set of arguments against religion,
quite a few of which were new to me. Especially his refusal to accept agnosticism as a valid point of view.
His writing - while eloquent - is a bit to mild on the subject for my taste. (This was also pointed out by a great
Southpark episode.) But he makes up for it by quoting a variety of other authors when its time for a giggle.
Here are two examples:
The Devil's Dictionary (Ambrose Bierce):
to pray: to ask that the laws of the universe be annulled in behalf of a single petitioner, confessedly unworthy
The End of Faith (Sam Harris):
We have names for people who have many beliefs for which there is no rational justification.
When their beliefs are extremely common we call them 'religious'; otherwise, they are likely to be called
'mad', 'psychotic' or 'delusional' ... Clearly there is sanity in numbers.
One impressive example he mentions on the creation of religions are Cargo Cults.
They demonstrate how easily humans make up new religions and are recent enough to prove
that there was nothing supernatural involved in their making, only misinterpreted observation.
See links below.
In John They Trust (The "John Frum" cargo cult)
Fup (Jim Dodge)
[19. Oct 2008; Buch, Englisch]
Feels like a discworld novel, only that its shortness and closedness stop the story from
questioning the world at large.
Tortilla Flat (John Steinbeck)
[25. Sep 2008; Buch]
Das Leben versoffener Landstreicher so romantisiert,
man könnte glatt selbst einer werden wollen.
Leichtverdauliche Episoden aus einer einfachen Welt. Urlaubslektüre.
Zwilling der Unendlichkeit (Charles Seife)
[29. Jul 2008; Buch]
Etliche Hundert Jahre hat es gedauert, bis die
Null als Zahl akzeptiert wurde. Das wirft unweigerlich
die Frage auf, welche grundlegenden Dinge wir in unserem Zeitalter
nicht sehen.
Wie es sich für ein Buch dieses Schlages gehört,
ist es gespickt mit wenig bekannten Details aus dem Leben bedeutender
Persönlichkeiten, wie zB. Blaise Pascal.
Der ist in seiner zweiten Lebenshälfte streng religiös geworden,
und hat eine - heute primär bei Comedians beliebte - Argumentation pro Glauben entworfen:
Egal, wie gering die Wahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes ist,
der unendliche Gewinn durch das ewige Paradies sorgt in jedem
Fall dafür, das Religiosität spieltheoretisch die bessere Wahl
gegenüber einem endlichen Leben ist.
Frohe Botschaften (Dirk Maxeiner, Michael Miersch)
[23. May 2008; Buch]
Kurzzusammenfassung: Die Welt geht nicht unter.
Hübsche Anekdote zur Bevormundung der dritten Welt:
..., kam rasch die Rede auf die von Ökoaktivisten vielfach gelobten Solarkocher.
Wir haben bei unseren Reisen ein solches Gerät noch nie in einem richtigen Dorf gesehen,...
Wie kommt das eigentlich? [...]
Erstens: In vielen heißen Ländern bereiten die Menschen ihre Mahlzeiten vor Sonnenaufgang
oder nach Sonnenuntergang zu...
Warum Gott doch würfelt (Marcus Chown)
[ 5. Feb 2008; Buch]
Rundumschlag von Quanten- bis Relativitätstheorie.
Behavioral Finance (Joachim Goldberg, Rüdiger von Nitzsch)
[ 4. Feb 2008; Buch]
Ein wenig langatmig, aber doch ein Augenöffner: Die Grenzen des menschlichen Gehirns im Umgang mit Zahlen, der schlechte Einfluss von Emotionen und Tipps, sich einen Rest Verstand zu bewahren.
Ein Tipp, der mir besonders gut gefiel, weil er mich an ein Aktionärsforum erinnert:
Denken Sie immer daran: An den Finanzmärkten gibt es keine Freunde. Höchstens die kurzlebige Solidargemeinschaft derjenigen, die allesamt einen Verlust nicht wahrhaben wollen.
Hurra, wir retten die Welt (Dirk Maxeiner)
[24. Jan 2008; Buch]
Warnung: Wer meint, Al Gore habe den Friedensnobelpreis zu recht erhalten und darüber hinaus noch zu hohem Blutdruck neigt, sollte dieses Buch auf keinen Fall in die Hand nehmen.
Mal abgesehen von wackeligen Hypothesen um Ursachen und Auswirkungen des Klimwandels und der zweifelhaften Maßnahmen zu seiner Verhinderung, gibt es noch eine ganz andere Frage, die der Westen mal wieder voreilig stellvertretend für den Rest der Welt beantwortet hat: Was ist eigentlich das richtige Klima? In anderen Weltgegenden empfindet man das jetzige Klima nämlich keineswegs als optimal:
Pjotr Chomjakow, Geograf vom Moskauer Institut für Systemanalyse, will darin [Erwärmung] deshalb auch keine Katastrophe sehen: "Der Norden wird aufblühen und vermögend werden." Zusammen mit weiteren russischen Klimaforschern hat er eine Studie veröffentlicht und leitet daraus Forderungen ab. "Wenn wir mithelfen sollen, die globale Erwärmung zu verhindern", sagt Chomjakow, "müssen wir auch entschädigt werden für die wirtschaftlichen Vorteile, die uns dadurch entgehen." Auch Wladimir Putin meint: "Wir hätten nichts dagegen, wenn es etwas wärmer würde."
Da es in der Vergangenheit so gut wieder jedes Klima schon einmal gegeben hat, ja sogar heutige Wüsten mit dichtem Wald überzogen waren, ist noch mit vielen weiteren Temperatur- oder Schadensersatz-Forderungen zu rechnen.
Aber bis dahin ist der Klimawandel vielleicht den Weg des Waldsterbens und des BSE gegangen. Den Weg der unvermeidbaren Katastrophe, an die sich schon ein paar Jahre später keiner mehr erinnert.
Poincares Vermutung (Donal O'Shea)
[20. Jan 2008; Buch]
Hochspannende Unterhaltung für Nerds.
Auch wenn das Buch natürlich mit dem 2003 geglückten Beweis der Vermutung endet, geht es in erster Linie um die Entwicklung von Topologie und Geometrie bis hin zu Poincares Vermutung. Der Beweis selbst wird nur knapp angerissen, weil vermutlich einiges mathematisches Rüstzeug zu seinem Verständnis notwendig wäre.
Von dieser Sorte Buch gibt es viel zu wenig. Mathematik wird plötzlich spannend, wenn man nachvollziehen kann, wie mühsam das Wissen errungen wurde. Was in Mathebüchern gern als offensichtliche Folgerungen banalisiert und damit automatisch langweilig gemacht wird, sind in Wirklichkeit Denkleistungen, die teilweise über Jahrhunderte kein Mensch zu erbringen vermochte, bis es durch Talent oder glückliche Fügung gelang.
(Wem dieses Buch gefällt, der sollte auch "Fermats letzter Satz" lesen. Und umgekehrt.)
Die Aura der Wörter (Reiner Kunze)
[ 6. Jan 2008; Buch]
Durchaus nachvollziehbare Argumentation gegen die Rechtschreibreform:
Es wäre viel einfacher gewesen, die unvollständige Beherrschung der
komplexen Regeln zu tolerieren, anstatt die Sprache zu reduzieren.
Rechtschreibregeln können zwar unterschiedlich verständlich, nicht aber einfacher
sein, als es die Kompliziertheit der Sprache erlaubt, und da der Entwicklungsstand
der Sprache stets von den höchsten Anforderungen der Sprachgemeinschaft
bestimmt wird, mußte die geschriebene Sprache partiell um hundert Jahre
zurückentwickelt und in zahlreichen Einzelfällen bis zur Peinlichkeit primitiviert
werden, um Regeln einführen zu können, die dem Leistungsvermögen am
unteren Ende der Bildungsskala scheinbar entsprachen.
...
Im Interesse der Menschen wäre es, für die leistungsfähigste Sprache die
leistungsfähigsten Rechtschreibregeln zu fordern, jeden zu fördern, der
sich bemüht, sie sich anzueignen, und niemanden zu benachteiligen, weil
er sie unvollkommener beherrscht als andere...
Big Bang (Simon Singh)
[28. Dec 2007; Buch]
"Will man einen Apfelkuchen von Grund auf selber machen, muß man zuerst das Universum erschaffen." - Carl Sagan
Simon Singh ist erstaunlich verlässlich, wenn es darum geht, Wissenschaft in spannende und unterhaltsame Lektüre zu verwandeln. Das Buch beinhaltet nicht weniger als die Geschichte der Erkenntnisse über unsere Welt.
© 2000-2010 Michael Poppitz
- Letzte Änderung: 21. August 2010
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