Noch mehr Rollplastik
[ 3. Jul 2011; Outdoor]

Nach drei anstrengenden Wochen hatte ich endlich alle Teile für mein neues Fahrradprojekt beisammen. Naja, fast alle: Den Vorbau musste ich vorübergehend bei meinem Cube borgen. Der Zusammenbau selbst gestaltete sich recht problemlos und war eine würdige Männertagsbeschäftigung. Seitdem hat das neue Rad 500km absolviert und ich bin immer noch begeistert.

Weil es mein erstes Fully ist, steht das Fahrwerk natürlich im Vordergrund: Eine Besonderheit bei Specialized ist die Trägheitssteuerung, durch die das Fahrrad in der Lage ist, zwischen Stößen vom Fahrer und vom Untergrund zu unterscheiden. So reagiert die Federung nicht auf Wiegetritt, wohl aber auf Bodenunebenheiten. Einen manuellen Lockout gibt es nicht.

Bisher war ich ein großer Fan des Lockout-Hebels. Aber mit einer Federung, die einfach von sich aus richtig reagiert, ist mir bewusst geworden, was für eine Krücke dieser Hebel ist: Er ist sehr leicht zu vergessen und es ist oft nicht klar, ob man mit oder ohne Lockout besser voran käme.
Klar, die initiale Fahrwerkseinstellung wird durch die zusätzlichen Regler für die Masseträgheitssteuerung vorn und hinten nicht einfacher, aber wenn erstmal alles passt, ist fertig: Set and forget.

Da der Rahmen zu einem extremen Race-Fully gehört, war ich überrascht, wie weich er sich fährt. Selbst bei langsamen Kletterpartien reagiert der Hinterbau noch auf Hindernisse. Ich vermute das liegt am Tiefpass in der Druckstufe, durch den das Rad immer langsam einfedern kann. Trägheitssteuerung und Tiefpass gehen bei abnehmender Schlaggeschwindigkeit ineinander über, wodurch die Federung in allen Lagen sehr berechenbar ist

Der Unterschied zum Hardtail ist deutlich größer als ich bei gerade mal 100mm Federweg erwartet hatte. Alte buckelige Römerstraßen werden zu Autobahnen und kantige Hindernisse zu sanften Hügeln. Auch wird das Hinterrad nicht mehr von jeder spitzwinkeligen Wurzel weggedrückt, sondern rollt oft gnädig drüber.

Die Lenkung ist nicht so verspielt wie bei meinem Cube, aber auch sehr präzise und deutlich gutmütiger, mit einem Faible für Spitzkehren. Die Last ist gut verteilt, die Kletterfähigkeit nimmt sich nichts, nur steil bergab fühle ich mich besser aufgehoben als auf meinen Cube.

Bei den neuen XTR-Bremsen hat Shimano die Lücke zur Konkurrenz verkleinert. Die Trail-Version mit 180mm-Scheibe am Vorderrad arbeitet perfekt. Leider ist die XC-Version mit 140er Scheibe am Hinterrad doch arg schwächlich. Hier werde ich bei nächster Gelegenheit auf 160mm umsteigen.
Dass die XTR-Schaltung sauber und schnell arbeitet, ist selbstverständlich. Die Schalthebel kompensieren die unterschiedliche Spannung der Rückholfeder. Dadurch sind alle Gänge gleich leicht zu schalten, was äußerst angenehm ist.

Aber es gibt auch eine Schattenseite: Die S-Works Serie ist Spielwiese für Neuerungen. Für das Hinterrad muss es mindestens eine X12 Steckachse sein, besser noch X12+; für das Tretlager kommen nur exotische PF30-Lager in Frage. Shimano-Kurbeln lassen sich überhaupt nur über einen (mitgelieferten) Einpress-Adapter montieren.

Allerdings saß der Adapter auf der Antriebsseite nicht ausreichend fest, hat sich beim Fahren leicht schräg gestellt und nach ca. 400km fing das typische Knacken eines missbrauchten Hollowtech-Lagers an. Mit neuem Lager und mit Folie umwickelten Adapter versuch ich jetzt nochmal mein Glück.
(Im Netz habe ich Hinweise darauf gefunden, dass der Adapter seitens Specialized entgegen der Anleitung nicht nur gepresst, sondern auch eingeklebt wird. Allerdings lässt er sich dann nie wieder entfernen.)

 
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